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Für den Job umziehen? Kommt nicht in Frage

Berufstätige beklagen Digitalisierung und härteren Arbeitsmarkt

Mag der Job auch noch so wichtig sein: Einen berufsbedingten Wohnortwechsel lehnt die Mehrheit aller Berufstätigen ab, wie die neue repräsentative HDI Berufe-Studie 2019 ergab. Das gilt sowohl für jüngere als auch für ältere.

68 Prozent aller Berufstätigen ab 45 Jahre lehnen es grundsätzlich ab, ihren Lebensmittelpunkt aus beruflichen Gründen zu verlagern. Unter den jüngeren sind es 60 Prozent. Die höchste Wechselbereitschaft zeigen Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Immerhin 46 Prozent würden für den Arbeitsplatz auch den Wohnort wechseln. Im Umkehrschluss gilt aber auch hier: 54 Prozent sind ausdrücklich nicht zu einem Wohnortwechsel für ihren Beruf bereit. Im Kontrast zu diesen Ergebnissen steht, dass 77 Prozent der Berufstätigen bis 44 Jahren Fort- und Weiterbildung für wichtig oder sogar sehr wichtig erachten, um sich ständig an Veränderungen im Beruf anzupassen.

„Arbeitssituation ist rauer geworden“

Die Entwicklung der Arbeitssituation in Deutschland sehen viele Berufstätige kritisch. In den vergangenen fünf Jahren sei sie durch Digitalisierung und Globalisierung rauer geworden. Jeder dritte zwischen 15 und 44 Jahren empfindet das so (32 Prozent). Bei den älteren Erwerbstätigen ist es sogar fast jeder zweite (47 Prozent). Doch ergibt sich ein völlig anderes Bild bei der persönlichen Bilanz: Den digitalen Wandel in der Arbeitswelt erleben insgesamt die Hälfte der jüngeren Berufstätigen unter 45 Jahren als hilfreich (48 Prozent). Nur 20 Prozent empfinden ihn als belastend. Und auch unter den älteren Erwerbstätigen überwiegen jene, die eine Erleichterung erkennen (39 Prozent) gegenüber denen, die eine Verschlechterung sehen (31 Prozent).

„Die widersprüchliche Einstellung zur Digitalisierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse unserer Berufe-Studie", sagt Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands HDI. Das zeigt sich auch bei der Frage, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und den persönlichen Arbeitsbereich auswirkt. Sechs von zehn Berufstätigen in Deutschland sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert, als neue schafft.“

Die Besorgnis über generelle Jobverluste ist bei den Altersgruppen aber unterschiedlich ausgeprägt: bei Erwerbstätigen ab 45 Jahren befürchten 65 Prozent Jobverluste, bei den Jüngeren 57 Prozent. Jedoch: Dass der eigene Job durch die Digitalisierung bedroht ist, halten drei Viertel (75 Prozent) der über 45-Jährigen für unwahrscheinlich - deutlich mehr als bei den jüngeren, wo es etwa zwei Drittel sind (69 Prozent).

Junge Berufstätige am stärksten gehaltsorientiert

Für die repräsentative Berufe-Studie wurden im Auftrag von HDI bundesweit über 3600 Berufstätige ab 15 Jahren durch die YouGov Deutschland befragt. Ein Drittel sagt: „Ich übe meinen Beruf primär nur wegen des Geldverdienens aus.“ Jüngere Berufstätige bis 44 Jahre sind dabei aber noch viel stärker als ältere an der Gehaltshöhe orientiert: Für 58 Prozent wäre „mehr Gehalt“ der wichtigste Grund für einen beruflich bedingten Wohnortwechsel (42 Prozent sind es bei den ab 45-Jährigen). Nur etwa halb so oft genannt wird die Motiv „bessere Arbeitskonditionen, etwa flexible Arbeitszeiten" (33 Prozent), auf Platz drei folgt das Motiv „eine interessantere berufliche Aufgabe“ (29 Prozent). „Bemerkenswert ist auch, dass die besonders jungen Berufstätigen zwischen 15 und 34 Jahren im Vergleich zu denen ab 35 Jahren am stärksten gehaltsorientiert sind“, sagt HDI-Vorstand Dahmen.

In krassem Gegensatz zur hohen Bedeutung des Gehalts steht, wie selten sich junge Berufstätige konkrete Gedanken machen, welche Folgen der Verlust ihres Berufes haben könnte. Bei Erwerbstätigen unter 30 Jahren sind es nur etwa die Hälfte (56 Prozent), mehr als ein Drittel hat sich damit laut HDI Berufe-Studie noch nie intensiver beschäftigt.

Knapp die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland kann sich auch „ein Leben ohne einen Beruf auszuüben nicht vorstellen“. Unter Älteren wie Jüngeren ist diese Meinung relativ ähnlich (46 Prozent bzw. 49 Prozent). Interessant ist aber: Mit dem Beruf aufhören, wenn es finanziell nicht mehr nötig wäre, würde nur rund ein Drittel der jüngeren Berufstätigen (37 Prozent). Unter den Älteren sagt das jedoch fast jeder Zweite (46 Prozent).

Widersprüche bei Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Berufstätige fast aller Altersgruppen nennen eine Versicherung für den Fall einer gesundheitlich bedingten Erwerbsunfähigkeit als zweitwichtigste aller Versicherungen - gleich nach der Krankenversicherung und noch deutlich vor einer Pflegeversicherung. Das persönliche Risiko einer beruflich bedingten Erkrankung wird im Schnitt mit 36 Prozent veranschlagt. Trotzdem haben nur die wenigsten eine Berufsunfähigkeitsversicherung. „Dabei lohnt es sich, die Arbeitskraft frühzeitig zu versichern“, sagt Patrick Dahmen: „Erstens ist Berufsunfähigkeit keine Frage des Alters. Auch Azubis und Studenten können, beispielsweise als Folge eines Unfalls, ihre Arbeitskraft verlieren. Zweitens ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Versicherungsantrag ohne Einschränkungen angenommen wird, bei jungen Kunden besonders hoch. Und drittens gilt die Faustregel, dass die Monatsprämie umso niedriger ausfällt, je jünger der Kunde bei Vertragsabschluss ist.“

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