Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Berufstätige zunehmend im Arbeitsalltag. Bereits mehr als jeder vierte Berufstätige gibt an, dass ihn KI bei Routinearbeiten im Job entlastet (26 %). Im Vorjahr war es jeder Fünfte (21 %). Auch der Anteil derjenigen, die durch den Einsatz von KI bessere persönliche Arbeitsergebnisse (19 % auf 24 %) sowie eine erhöhte Arbeitsproduktivität feststellen (19 % auf 23 %), ist deutlich gestiegen.
Doch es gibt große Unterschiede: So berichten etwa Erwerbstätige mit Hochschulabschluss (37 %) mehr als doppelt so häufig von einer Entlastung bei Routineaufgaben durch KI wie Absolventen einer Lehre (16 %). Fast genauso groß ist bei dieser Frage auch der Unterschied zwischen denen, die regelmäßig im Homeoffice arbeiten und Beschäftigten mit ausschließlich betriebsgebundener Tätigkeit (37 % zu 18 %).
Entlastung durch KI vor allem bei Jobs in Medien und Marketing
Am stärksten werden die Effekte von KI in Medien- und Marketingberufen wahrgenommen. Hier berichtet etwa jeder Zweite (47 %) von einer Entlastung bei Routinearbeiten. Es folgen Lehrer und Ausbilder gleichauf mit Beschäftigten der Informations- und Kommunikationsbranche mit 44 Prozent. Den drittschwächsten Wert erreichen dagegen medizinische Gesundheitsberufe mit nur 15 Prozent. Noch darunter liegen Verkehr und Logistik (11 %) sowie das Sicherheits- und Reinigungsgewerbe (10 %).
Bei der Frage, ob durch Künstliche Intelligenz bessere persönliche Arbeitsergebnisse erzielt werden, zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier belegen die drei Branchen ebenfalls die hintersten Plätze. Zum Vergleich: Während bereits die Hälfte (50 %) der Beschäftigten in Werbung oder Medien von besseren Arbeitsergebnissen durch KI berichtet, liegt dieser Anteil in medizinischen Gesundheitsberufen mit 15 Prozent nur bei einem Drittel dieses Wertes.
„Offenkundig verändert die Künstliche Intelligenz die Berufswelt rasant, allerdings nicht überall im gleichen Tempo. Wie stark die Künstliche Intelligenz Beschäftigte entlastet, hängt etwa maßgeblich von ihrer Tätigkeit, ihrer Qualifikation sowie der Branche ab. Trotz dieser hohen Dynamik bleibt der Mensch unverzichtbar. Umso wichtiger ist es, Beschäftigte auf diesem Weg mitzunehmen und sie gezielt auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.“
Dazu Holm Diez, Mitglied im Vorstand der HDI Deutschland AG: „Offenkundig verändert die Künstliche Intelligenz die Berufswelt rasant, allerdings nicht überall im gleichen Tempo. Wie stark die Künstliche Intelligenz Beschäftigte entlastet, hängt etwa maßgeblich von ihrer Tätigkeit, ihrer Qualifikation sowie der Branche ab. Trotz dieser hohen Dynamik bleibt der Mensch unverzichtbar. Umso wichtiger ist es, Beschäftigte auf diesem Weg mitzunehmen und sie gezielt auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten.“
KI als der bessere IT-Entwickler und SteuerberaterIn welchen Berufen kann KI bessere Arbeitsergebnisse hervorbringen als Menschen? Bei einer Auswahl von 15 Berufen nennen die Erwerbstätigen in Deutschland am häufigsten den Beruf des IT-Entwicklers und an zweiter Stelle den Beruf des Finanz- und Steuerberaters (38 %).
Das Erstaunliche dabei: Diejenigen, die selbst in diesen Bereichen arbeiten, sagen das noch viel häufiger als die übrigen Berufstätigen. So hält mehr als jeder Zweite im IT-Bereich (54 %) die KI für den besseren IT-Entwickler als Menschen und im Bereich Steuerberatung / Rechnungswesen / Finanzdienstleistung sind es 49 Prozent, die in KI den besseren Finanz- oder Steuerberater sehen.
Dass Künstliche Intelligenz schon zum Abbau von Personal geführt hat, wollen neun Prozent aller Berufstätigen in ihren Unternehmen beobachtet haben. Immerhin 42 Prozent erwartet dies in Zukunft.
Mit Abstand am häufigsten wird im Bereich Marketing und Medien ein Job-Abbau durch KI registriert (21 %). Von 48 Prozent wird es zudem dort künftig erwartet. Die geringsten Auswirkungen durch den Einsatz von KI werden dagegen in den Bereichen Hauswirtschaft und Erziehung, im Sicherheits- und Reinigungsgewerbe sowie in medizinischen Gesundheitsberufen erwartet. Dies deckt sich auch mit den Ergebnissen, in welchen Branchen die KI-Effekte aktuell am wenigsten registriert werden.
Große regionale Unterschiede bei KI-Fortbildung
Beschäftigte in Hamburg profitieren bundesweit am häufigsten von Fort- und Weiterbildungsangeboten ihrer Arbeitgeber im Bereich Künstliche Intelligenz. Bei fast jedem zweiten Beschäftigten in der Hansestadt (44 %) ist das der Fall, doppelt so häufig wie etwa im benachbarten Schlusslicht Schleswig-Holstein (19 %). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 30 Prozent.
Mensch oder Maschine?
Auf die Frage, ob sie sich lieber „von einem KI-gestützten Roboter vollautomatisch operieren lassen“ würden oder von einem Menschen, entscheiden sich lediglich 10 Prozent für die KI, während 73 Prozent den Menschen bevorzugen. Die übrigen Befragten sind unentschieden. Auch unter Beschäftigten der Informations- und Kommunikationstechnologie fällt die Zustimmung nur geringfügig höher aus (12 %). Das gleiche gilt für Berufstätige aus medizinischen Gesundheitsberufen (11 %). Größere Unterschiede gibt es jedoch regional: Die größte Bereitschaft zur Operation durch einen Roboter zeigt sich im Saarland mit 18 Prozent und damit dem Spitzenwert im Bundesländervergleich. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern besteht dagegen die geringste Neigung (je 7 %).
Hohe Bereitschaft zu Reformen im Arbeitsmarkt
Die Vorstellungen, wie Arbeit organisiert sein sollte, verändern sich deutlich. Flexible Arbeitszeiten, individuelle Übergänge in den Ruhestand und größere Freiräume bei der Gestaltung der Arbeitszeit stoßen auf breite Zustimmung. Das zeigt sich bei der Bewertung politischer Initiativen: Drei Viertel aller Berufstätigen (77 %) unterstützen die Anfang 2026 in Kraft getretene Aktivrente. Zwei Drittel (63 %) sind für die Abschaffung einer festen gesetzlichen Altersgrenze zum Renteneintritt. Stattdessen sollte der Zeitpunkt des Rentenbeginns innerhalb bestimmter Grenzen individuell selbst festgelegt werden können, verbunden mit entsprechenden Zu- oder Abschlägen. Und die Hälfte (49 %) der Beschäftigten votiert dafür, dass die Höchstarbeitszeit nicht länger pro Tag, sondern durch eine maximale Wochenarbeitszeit begrenzt werden soll. Mit 33 Prozent fällt der Anteil derjenigen, die diesen Vorschlag ablehnen, deutlich geringer aus.
Das Ausland lockt Jüngere und Ältere
Fast jeder Zweite ist inzwischen bereit, im Ausland zu arbeiten. Von 41 Prozent im Vorjahr auf jetzt 48 Prozent springt der Wert unter allen Erwerbstätigen. Zu dieser Steigerung tragen besonders die sehr jungen Berufstätigen unter 25 Jahren bei, bei denen das Interesse um fast die Hälfte (44 % auf 65 %) gewachsen ist. Aber auch in der Generation der 55- bis 64-Jährigen wächst es stark (40 % auf 46 %).
Teilzeit hat viele Ursachen
Jeder zweite in Vollzeit Beschäftigte (51 %) ist an einem Teilzeit-Angebot interessiert. Hauptmotive sind dabei „mehr Zeit für mich“ (64 %) sowie „für Hobby und Sport“ (44 %) und „für Urlaub und Reisen“ (31 %). Jeder Vierte (25 %) will Teilzeit aus gesundheitlichen Gründen oder um mehr Zeit für Kinder, Angehörige oder Bekannte (22 %) zu haben.
Interessant ist: Ein Viertel aller Berufstätigen spricht sich für eine weitere Ausweitung des gesetzlichen Anspruchs auf Teilzeit aus – auch unter Führungskräften mit Personalverantwortung. Nur neun Prozent aller Berufstätigen sind dagegen und 54 Prozent mit dem aktuellen Stand zufrieden.
Besonders häufig plädieren für die Ausdehnung Beschäftigte in Marketing und Medien (34 %) und Berufstätige zwischen 25 und 34 Jahren (33 %), besonders wenige sind es in Verkehr und Logistik (19 %) sowie zwischen 45 und 54 Jahren (21 %).
Rentennahe Jahrgänge mit deutlichem Stimmungswandel
Jährlich gehen aktuell rund eine Million Erwerbstätige der geburtenstarken Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Jetzt aber zeigt sich eine bemerkenswerte Veränderung: Der bislang hohe Stellenwert des Berufs in diesen Jahrgängen schwindet viel stärker als in anderen Altersgruppen: „Ich würde so schnell wie möglich mit dem beruflichen Arbeiten aufhören, wenn ich es finanziell nicht mehr nötig hätte.“ Fast zwei Drittel (63 %) der heute 55- bis 64-Jährigen Berufstätigen stimmen dieser Aussage zu. Vor einem Jahr waren es erst 42 Prozent. Keine andere Altersgruppe der Erwerbstätigen bis 65 Jahre verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr einen stärkeren Anstieg oder einen höheren Wert.
Noch auffälliger ist – auch bezogen auf die vergangenen acht Jahre – der gestiegene Anteil derer, die nach eigenen Angaben „primär nur wegen des Geldverdienens“ ihren Beruf ausüben.
Auch der Aussage, dass man sich selbst „ein Leben, ohne einen Beruf auszuüben“ nicht vorstellen kann, stimmen deutlich weniger Beschäftigte der rentennahen Generation zu (43 %) als die jüngeren Erwerbstätigen.
Zum Vergleich: Unter den 15- bis 29-jährigen teilen 57 Prozent diese Ansicht und damit rund ein Drittel mehr als in der älteren Generation. Dies ist zugleich der höchste Wert unter allen Berufstätigen bis 65 Jahre. Auch bei der Frage, ob der Beruf der Lebensinhalt ist, kommt von den Jüngeren besonders hohe Zustimmung: Mehr als die Hälfte der 15- bis 29-jährigen (51 %) bejahen diese Aussage. Damit messen sie ihrem Beruf eine deutlich höhere Bedeutung bei als die übrigen Altersgruppen bis 65 Jahre.
„Die entscheidende Frage lautet, welche Rahmenbedingungen Politik und Wirtschaft schaffen müssen, um Deutschland als attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen einen spürbaren Wertewandel in der Einstellung zur Arbeit. Gleichzeitig verdeutlichen sie aber auch die Offenheit der Berufstätigen gegenüber Reformen und neuen, KI-gestützten Arbeitsinstrumenten. Jetzt sind Politik und Arbeitgeber gefragt, die Arbeitswelt zukunftsfähig weiterzuentwickeln und Arbeit auf das nächste Level zu heben.“
Für Holm Diez sind diese Ergebnisse gleichermaßen Herausforderung und gesellschaftlicher Auftrag: „Die entscheidende Frage lautet, welche Rahmenbedingungen Politik und Wirtschaft schaffen müssen, um Deutschland als attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen einen spürbaren Wertewandel in der Einstellung zur Arbeit. Gleichzeitig verdeutlichen sie aber auch die Offenheit der Berufstätigen gegenüber Reformen und neuen, KI-gestützten Arbeitsinstrumenten. Jetzt sind Politik und Arbeitgeber gefragt, die Arbeitswelt zukunftsfähig weiterzuentwickeln und Arbeit auf das nächste Level zu heben.“
Die HDI Berufe-Studie wird jährlich bundesweit durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage im YouGov Panel, an der 3.844 erwerbstätige Personen zwischen dem 10. Juni und 03. Juli 2026 teilnahmen. Die Daten wurden mit den Quotenmerkmalen Alter und Geschlecht innerhalb der einzelnen Bundesländer erhoben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland ab 15 Jahren nach Alter und Geschlecht sowie für die erwerbstätige Bevölkerung in Deutschland insgesamt ab 15 Jahren nach Alter, Geschlecht und Region.
































