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Lehrern macht ihr Beruf am meisten Spaß

Berufstätige beklagen Digitalisierung und härteren Arbeitsmarkt

Der Lehrerberuf hat in Deutschland nicht das beste Image. Umso bemerkenswerter ist, dass Lehrer und Ausbilder ihren Beruf selbst sehr schätzen, wie aus der repräsentativen HDI Berufe-Studie 2019 hervorgeht.

In keiner anderen Berufsgruppe sagen so viele, dass ihnen "der Beruf sehr viel bedeutet" - exakt drei von vier Befragten (75 Prozent). Weit öfter als in allen anderen Berufen betonen Lehrer und Ausbilder auch: "Einen Beruf auszuüben bedeutet mir mehr, als damit nur Geld zu verdienen" (70 Prozent). Sogar 82 Prozent der Lehrer und Ausbilder würden ihren Beruf heute wiederwählen. Und schließlich berichten auch fast neun von zehn (86 Prozent): "Mein Beruf macht mir Spaß!" Zum Vergleich: Auf dem letzten Platz liegen in dieser Hinsicht die Beschäftigten im Tourismus. Nur rund jeder zweite (56 Prozent) hat hier Spaß im Beruf.

Für die neue HDI Berufe-Studie, die bundesweit 2019 erstmals durchgeführt wurde, hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland über 3600 Berufstätige ab 15 Jahren in umfangreichen Online-Interviews befragt

Jeder dritte Mediziner würde seinen Beruf nicht mehr wählen

Überraschende Ergebnisse liefert die Studie auch über Beschäftigte in medizinischen Gesundheitsberufen wie Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit, nicht bis zum regulären Rentenalter zu arbeiten, auf über 50 Prozent. Das ist sonst nur noch im Touristik-Bereich der Fall. Nur jeder zweite Gesundheitsberufler würde jungen Menschen seinen Job heute noch empfehlen (51 Prozent). Niedriger ist der Wert nur noch bei den Beschäftigten des Sicherheits- und Reinigungsgewerbes (45 Prozent). Der Schnitt über alle Berufsgruppen hinweg liegt bei 65 Prozent. Exakt jeder dritte Mediziner (33 Prozent) würde seinen Beruf zudem heute nicht wieder wählen - das ist der höchste Wert unter allen Berufsgruppen.

Eine mögliche Ursache: Mediziner sehen stärker als jede andere Berufsgruppe das Risiko für berufsbedingte Erkrankungen. Knapp zwei Drittel unter ihnen (60 Prozent) taxieren das Risiko auf mehr als 50 Prozent. Über alle Berufsgruppen betrachtet sehen eine so hohe Gefahr nur etwa ein Drittel (36 Prozent) der Befragten.

"Gute Verdienstchancen" spielten für die Mediziner bei der Berufswahl eine nur untergeordnete Rolle. 17 Prozent statt im Bundesschnitt 26 Prozent schielten bei der Entscheidung auf das Geld. Das bleibt auch später während der Berufstätigkeit so. Nur 27 Prozent der Mediziner – unter allen Berufstätigen sind es im Bundesschnitt 34 Prozent – erklären, dass sie ihren aktuellen Job primär nur wegen des Geldverdienens ausüben.


IT-Mitarbeiter empfinden hohes Ansehen

Keine Berufsgruppe in Deutschland empfindet ihr Image in der Öffentlichkeit so gut wie die Beschäftigten in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Folgerichtig empfehlen sehr viele von ihnen (76 Prozent) jungen Menschen, die gleiche Berufswahl wie sie zu treffen. Aber es gibt zwei Berufsfelder, wo die Quote noch höher liegt. Im Recht- und Verwaltungswesen sowie im Bereich Hauswirtschaft/Erziehung ist das so. Allerdings sagen Beschäftigte in Hauswirtschaft und Erziehung auch so häufig wie keine andere Berufsgruppe: „Wir haben in der Öffentlichkeit ein schlechteres Bild, als es unserer eigenen Wahrnehmung nach angemessen ist“.

Diffuse Ängste durch Digitalisierung

"Durch die Digitalisierung werden in Deutschland mehr Arbeitsplätze verschwinden als neue entstehen": Sechs von zehn Berufstätigen in Deutschland sind davon überzeugt. Die Sorge ist besonders groß in Handel und Vertrieb (71 Prozent) sowie Verkehr und Logistik (70 Prozent). Die geringste Sorge zeigen Beschäftigte in der Informations- und Kommunikationstechnologe (47 Prozent), bei Bau und Architektur (55 Prozent) sowie Mediziner (56 Prozent).

Frappierend aber: Eine persönliche Sorge, dass der eigene Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet sein könnte, gibt es in vielen Berufen so gut wie überhaupt nicht. Unter Beschäftigten in Hauswirtschaft und Erziehung sowie bei Lehrern und Ausbildern wird sie nur von sechs bzw. sieben Prozent genannt. Auch unter Medizinern sorgt sich nur rund einer von zehn Befragten (11 Prozent).

Anders ist die Situation im Bereich Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung: Hier sieht fast jeder Dritte (31 Prozent) seinen persönlichen Job in Gefahr. Ähnlich stark sehen sich nur noch Beschäftige in Verkehr und Logistik (30 Prozent) gefährdet. Bundesweit bekunden 22 Prozent der Berufstätigen Sorge um den eigenen Arbeitsplatz durch die Digitalisierung.

Bauarbeiter und Lehrer unterschätzen Gesundheitsrisiko

Am wenigsten Gedanken zu den Folgen einer möglichen Berufsunfähigkeit haben sich Beschäftigte im Bau- und Architekturbereich bisher gemacht - nur etwa die Hälfte aller Befragten (53 Prozent). Zugleich ist ihnen – verglichen mit anderen Berufsgruppen – eine Absicherung für diesen Fall auch am wenigsten wichtig. Stärker als alle anderen sind sie dagegen an Haftpflichtversicherungen interessiert. Bemerkenswert: Lehrer und Ausbilder rangieren auf Platz 2 als Berufsgruppe, die sich noch nie mit konkreten Gedanken zu einer möglichen Berufsunfähigkeit beschäftigt hat: "Viele denken bei Berufsunfähigkeit an körperliche Gebrechen“, sagt HDI Vorstand Patrick Dahmen. „Aber inzwischen sind psychische Ursachen der häufigste Auslöser für gesundheitsbedingte Fälle von Berufsunfähigkeit".

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