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Tristesse im Tourismus - stolze IT-Kräfte

Berufstätige beklagen Digitalisierung und härteren Arbeitsmarkt

Welche Berufsgruppen haben in der Corona-Zeit eine positivere Einstellung zu ihrer Tätigkeit gewonnen und wen hat der gesellschaftliche Stillstand des öffentlichen Lebens nachdenklich gestimmt? Die HDI Berufe-Studie zeigt die Gewinner- und Verlierer unter den Berufsgruppen.

Beschäftigte in der Informations- und Kommunikations-Technologie (IKT) haben in der Corona-Zeit mit Abstand am stärksten unter allen Berufsgruppen eine positivere Einstellung zu ihrem Beruf gewonnen. Fast jeder zweite unter ihnen (48 Prozent) gibt das in der HDI Berufe-Studie 2020 an. Mehr als acht von zehn der IKT-Kräfte würden ihren Beruf daher heute auch wieder wählen - damit liegen sie zusammen mit den Beschäftigten bei Bau und Architektur an der Spitze der Zufriedenheitstabelle aller Berufe in Deutschland.

Das Schlusslicht bilden im Zufriedenheits-Ranking 2020 dagegen jetzt die Erwerbstätigen im Bereich Tourismus, Gastronomie und Hotellerie. Nur 61 Prozent würden hier den Beruf noch einmal wählen. Eine noch deutlichere Antwort ergibt sich auf die Frage, ob man jungen Menschen seinen Beruf empfehlen könnte: Fast jeder zweite Beschäftigte im touristischen Bereich will das nicht (44 Prozent) - absoluter Negativ-Rekord unter allen Berufen. Zum Vergleich: Von IKT-Fachleuten und Beschäftigten im Baubereich würden mit jeweils mehr als 80 Prozent etwa doppelt so viele ihren Beruf auch heute jungen Menschen empfehlen.

Gebeutelter Tourismus

Eine Ursache für die Tristesse im Tourismus wird aus der HDI Berufe-Studie ersichtlich: Mit Abstand am häufigsten musste in dieser Branche während der letzten 12 Monate aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit gearbeitet werden. Nach eigenen Angaben war mit 58 Prozent mehr als jeder Zweite davon betroffen. Zum Vergleich: Die zweithöchste Quote wurde in der Industrieproduktion mit 41 Prozent erreicht, die dritthöchste in Werbung, Marketing und Medien mit 36 Prozent. Die mit weitem Abstand niedrigste Kurzarbeiter-Quote melden dagegen Beschäftigte im Bereich Recht und Verwaltung. Hier war nur einer von zwanzig Beschäftigten betroffen (5 Prozent).

Höchster Digitalisierungsschub für Lehrer

„Die HDI Berufe-Studie offenbart Gewinner und Verlierer. Während Berufe in der Tourismus-Branche deutlich gelitten haben, sind Jobs in der Informations- und Kommunikationstechnologie besonders gefragt.“

Dr. Patrick Dahmen
Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherung AG

Unter allen Berufsgruppen melden Lehrer und Ausbilder die deutlich stärkste Zunahme digitaler Anteile an ihrer Arbeit durch die Corona-Krise: 80 Prozent von ihnen berichten das.

Deutlich abgeschlagen auf Platz zwei rangieren Beschäftigte in Marketing, Werbung und Medien (60 Prozent). In dieser Branche fordern jetzt aber so viele wie sonst in keiner anderen Berufsgruppe die Einführung vermehrter Angebote für das Arbeiten im Home Office (58 Prozent).

Interessant zudem: Nirgendwo können sich auch so viele einen anderen Beruf vorstellen wie in der Werbung. Etwa drei Viertel sagen das, nur ein Viertel kann sich das in dieser Berufsgruppe nicht vorstellen.

Mehr Berufswechsel werden erwartet, besonders in der Baubranche

Wird nach den Erfahrungen der Corona-Krise die Bereitschaft zum Jobwechsel bei den Berufstätigen in Deutschland steigen oder fallen? Insgesamt erwarten die Befragten doppelt so häufig mehr Wechsel nach der Corona-Krise als weniger (18 zu 9 Prozent). Auffallend stark ist die Erwartung zunehmender Berufswechsel dabei im Bereich Bau, Architektur und Gebäudewirtschaft (28 Prozent) sowie im Tourismus. Interessant aber: Allein im Bereich Werbung, Marketing und Medien wird erwartet, dass es nach Corona weniger Berufswechsler gibt als mehr.

Nachdenklichkeit steigt vor allem in Werbung und Medien

Über die genauen Konsequenzen eines Jobverlustes bereits nachgedacht hatten laut der HDI Berufe-Studie 2019 am wenigsten Beschäftigte am Bau, im Tourismus und in der Werbung. Nach Corona hat sich dieses Bild nun aber komplett umgekehrt. Mit 79 Prozent gibt es inzwischen in der Werbung die meisten unter allen Berufsgruppen, die sich hierüber intensive Gedanken gemacht haben. Und auf Platz zwei folgt der Tourismus mit 72 Prozent.

Corona verändert wenig in Medizin- und Gesundheitsberufen

Unter allen Berufstätigen ist „eine interessantere Aufgabe“ das wichtigste Argument für einen Berufswechsel neben „mehr Gehalt“. Die einzige Ausnahme bilden Beschäftigte in medizinischen Gesundheitsberufen. Für sie sind „bessere Arbeitskonditionen, etwa flexiblere Arbeitszeiten“ das zweitwichtigste Kriterium (35 Prozent) - eindeutig vor dem Argument einer interessanteren Aufgabe (25 Prozent). Offenbar lassen die aktuellen Arbeitsbedingungen im Umkehrschluss viele davor zurückschrecken, jungen Leuten ihren Beruf zu empfehlen. Inzwischen würden sogar 39 Prozent der Mediziner (Vorjahr 37 Prozent) jungen Leuten den Beruf nicht empfehlen. In Durchschnitt aller Berufe sind es nur 27 Prozent. Zugleich kann sich aber fast die Hälfte derer, die in medizinischen Gesundheitsberufen arbeiten (44 Prozent), keinen anderen Beruf vorstellen. Das sind erheblich mehr, als unter allen Berufstätigen in Deutschland insgesamt (34 Prozent).

Die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für den Berufsstand durch Corona scheint keinen Effekt zu haben. Beschäftigte in Medizin und Pflege bewerten das Image ihres Berufs in der Öffentlichkeit nicht besser als im Vorjahr. Mit der Schulnote „befriedigend“ nennen sie unter allen Berufsgruppen den drittschlechtesten Wert. Das Risiko berufsbedingter Erkrankungen schätzen sie dagegen jetzt noch höher ein – mit einer Wahrscheinlichkeit von 61 (Vorjahr: 53) Prozent.

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